Chinesisches Essen

1994: Maxim Biller, „Der Anfang der Geschichte“, in Sieben Versuche zu Lieben 

Ich war, erinnere ich mich auf einmal wieder, damals schnell müde geworden, und nachdem ich den zweihundertsten Demonstranten gezählt hatte, schlief ich in Vaters Armen ein, und später waren wir dann zum Chinesen gegangen, und ich aß zum erstem Mal in meinem Leben süßsaures Hühnerfleisch.

1994: Maxim Biller, „Die schönen Stimmen der Erwachsenen“, in Sieben Versuche zu Lieben 

Am Samstag dann, wie immer, traf sich Ernst mit Elsa. Sie aßen gemeinsam in einem chinesischen Restaurant am Hauptbahnhof zu Mittag und redeten dabei über Elsas Scheidung.

1994: Maxim Biller, „Ein trauriger Sohn für Pollok“, in Sieben Versuche zu Lieben 

Ein paar Monate lang zog mein Vater mit seinen neuen Freunden Nacht für Nacht um die Häuser, sie gingen ins Theater Na zábradlí, sie aßen beim einzigen Chinesen der Stadt und betranken sich hinterher im Bystrica, und eines Abends kam er dann endlich mit Miloš Forman ins Gespräch.

2004: Maxim Biller, „Bernsteintage“, in Sieben Versuche zu Lieben 

Bei dem letzten Abendessen war aber alles anders gewesen. Die Eltern nahmen sie das erste Mal zum Chinesen mit, dem einzigen, den es in Prag gab, und noch bevor sie die Speisekarten bekommen hatten, find Vater an zu sprechen. Zuerst erklärte er ihnen, dass sie in einem der besten chinesischen Restaurants Europas waren – die Köche hier seien zwar Tschechen, hätten aber in China ihr Handwerk gelernt. Auch die Ausländer aus dem Westen wüssten das, er habe schon oft gehört, wie sie den Pragen Chinesen lobten, und er sei sehr traurig, dass er in den nächsten Monaten nicht die Möglichkeit haben würde, wieder herzukommen. … Während er die erste süßsaure Suppe seines Lebens aß, während er immer wieder den schweren Porzellanlöffel in seiner Hand wiegte, während er das scharfe Kung-pao fast schon so geschickt wie ein Chinese mit den Stäbchen in sich hineinschaufelte und den von den gebratenen Bananen tropfenden Honig vom Teller leckte, dachte er nur, wie schön dieser Abend war.

2006: Muriel Barbery, Die Eleganz des Igels

Wie Kakuzo Okakura, der Autor von „Das Buch vom Tee“, der über den Aufstand der mongolischen Volksstämme im 13. Jahrhundert nicht so sehr deshalb betrübt war, weil er Tod und Verzweiflung gebracht, sondern weil er die wichtigste der Früchte der Song-Kultur, die Kunst des Tees, zerstört hatte, weiß ich, dass er kein zweitrangiges Getränk ist.

… meine eigene Mahlzeit zubereiten – kalte chinesische Nudeln mit Tomaten, Basilikum und Parmesan …

2006: A. M. Homes, This Book Will Save Your Life

“For Christsakes, eat something.”
“Vegetables,” Richard says. “Any steamed vegetables?”
“It’s a steak house, not a Chinese restaurant. I’ll see what they can do.” The waiter walks away.

He takes Ben to Chinatown for lunch. He takes him to a place that a woman took him on a date about five years ago—Hop Louie’s. The restaurant is deserted except for a large group of Chinese people gathered around an enormous table.
“Are you open?”
“Open and ready to serve.”
They order a bountiful spread—hot-and-sour soup, sweet-and-sour pork, steamed dumplings, fried rice—and immediately Richard feels guilty: they’ve ordered too much, Ben will overeat and have to go back to the husky department.

“When I die, can we have Chinese food?” one of the men asks.

“Why don’t I go down and pick something up?” Ben says. “I can take the stairs. What do you want—pizza, sushi, Chinese?” …
“And you?” Ben asks his father.
“Oh, steamed vegetable dumplings, and maybe, if they have it, soft-shelled crabs.”
“You’re still eating soft-shelled crabs from Chinese restaurants?” she asks.
“Yes, why?”
“That’s what you ate twenty years ago.” 

2006: Ngũgĩ wa Thiong’o, Herr der Krähen

„Wir brauchen einen passenden Namen dafür“, meinte Kamĩtĩ aufgeregt, als Nyawĩra beim Abendessen im Chou Chinese Gourmet zum ersten Mal über diese Idee sprach.

Sie saßen im Chou Chinese Gourmet, ihrem Lieblingslokal, das sich auf wunderbar angenehme Weise sowohl von den Restaurants der Oberklasse als auch den Spelunken abhob, zumal beide Extreme oft das Revier darstellten, in dem der Geheimdienst wilderte. … Der Kellner brachte die Rechnung und zwei Glückskekse. Nyawĩra bezahlte und nahm einen Keks. Kamĩtĩ nahm den anderen. Fast gleichzeitig brachen sie auf und zogen das kleine Papier heraus, auf dem Prophezeiungen zu lesen sind. „Was steht bei dir drauf?“, wollte Kamĩtĩ wissen. „Nein, sag du erst, was bei dir draufsteht?“ Sie stichelten eine Weile, wer den Anfang machen sollte, dann schnappten sie das Zettelchen des jeweils anderen und lasen. Der Text war identisch: „Sei auf Überraschungen gefasst!“ Sie lachten. „In Ordnung. Erzähl mir bitte den Rest von Vinjinias Geschichte, überrasch mich. Vielleicht sind das die Überraschungen, die die Glückskekse vorhersagen.“

2008: Nicholson Baker, „Der Charme von Wikipedia“, in So geht’s. Essays

… Auch die Pop-Tarts-Seite ist oft in Aufruhr. … Sie wurden Anfang der sechziger Jahr in China entwickelt.

2009: Dubravka Ugresic, „Langes Leben“, in Karaokekultur

Ich ertrage die Weisheiten nicht einmal auf den Zetteln bei den chinesischen Glückskeksen.

2013: Chimamanda Ngozi Adichie, Americanah

Mariama war mit der Fisur ihrer Kundin fertig und besprühte sie mit Glanzspray, und nachdem die Kundin gegangen war, sagte sie: „Ich hole was beim Chinesen.“

Mariama kam mit ölfleckigen braunen Tüten aus dem chinesischen Restaurant zurück und brachte den Geruch nach Fett und Gewürzen mit in den stickigen Salon.

2018: Liane Moriarty, Nine Perfect Strangers

Her head swiveled from side to side as she studied the town. A Chinese restaurant with a faded red and gold dragon on the door.

2018: Katharina Adler, Ida

Nach verschiedenen Stationen der Flucht erreicht Ida endlich die USA.

„Wir haben drei Stunden. Wollen Sie vielleicht etwas zu sich nehmen?“
„Was schlagen Sie vor?“
„Hier in der Nähe gibt es einen chinesischen Imbiss.“
„Chinesisch!“ Ida lachte ungläubig. „Solange es keine Linsen sind. Die habe ich in Marokko zur Genüge gehabt.“

Resolut bugsierte sie eine bleiche Teigtasche in ihrem Mund.

Nicht schlecht, dieses chinesische Maultascherl, wirklich, und die Brühe war auch schön kräftig.

Doch Ida bekommt keinen Zugang mehr.

Wenn man sich zu erinnern versucht an dieses New York, aber da ist nichts außer dem feinen Lächeln eines Martin Magner und dem Geschmack von chinesischem Essen. Wenn dieses fremde Essen eigentlich eine gute Stärkung war, aber der Körper nicht nur schwankt, sondern bis hinter die Augen vibriert und keine Zigarette etwas dagegen ausrichten kann und noch eine nicht und eine weitere auch nicht.

Dann machte er aus dem Taktstock doch noch Besteck und fischte Reis aus seiner Schüssel. Sein Ausdruck wurde weich.
„Morgen kommen Diantha und die Kleine nach Hause.“
Ida tunkte ungerührt ein Dim Sum in die Soße.
„So aufgeweckt ist sie, Mama. Und hübsch, sag ich Dir. Wunderhübsch.“
Ida legte die Gabel mit der Teigtasche wieder ab.

So drückte sie tapfer Magners Hand und sagte, wenn der Kurt endlich wieder in der Stadt sei, dann müssten sie unbedingt einmal zusammen zum Chinesen.
„Aber äußerst gern! Es freut mich, dass ich Sie damals auf den Geschmack hab bringen können“, erwiderte Magner.
„Und ob“, sagte Ida, obwohl ihr gerade gar nicht nach Essen war.

2020 (2019): Mieko Kawakami, Brüste und Eier

Der Tag war ja schon fast vorbei. Zum Abendessen, hatte ich gedacht, könnten wir zum Chinesen um die Ecke gehen, aber bis dahin hatten wir noch drei Stunden Zeit. Das war relativ lang.

Ein ganzes Kapitel spielt „Im Chinarestaurant“. Makiko bewundert die große Auswahl und die Geschwindigkeit, mit der dort gearbeitet wird.

Das Chinarestaurant im Erdgeschoß eines gut und gerne dreissig Jahre alten, völlig heruntergekommenen Gebäudes, ungefähr zehn Minuten zu Fuß von mir zu Haus, war wegen seiner unschlagbaren Preise beliebt. …
Hinter dem Tresen war die Küche. Dort stand wie üblich der Wirt in seiner fleckigen weißen Schürze und arbeitete. Das Fett im Wok dampfte. Gemüse wurde hineingeworfen, es knisterte. In der Pfanne brutzelten die Teigtaschen, beim Ablöschen mit Wasser zischte es. Die hinter der Arbeitsplatte in die Wand eingelassenen Steckdosen waren fettverkrustet. Die Siebkellen, mit denen der Wirt das Gemüse aus den Säcken schöpfte, die für uns unsichtbar neben ihm auf dem Fußboden standen, waren kaputt und starrten vor Schmutz. …
„Hast du diesen . . . Lappen gesehen, mit dem er den Wok ausgewischt hat? Das war ein Putzlappen. Der hat dem Wok mit einem Putzlappen ausgewischt und darin die Nudeln gebraten!“
„Aha“, hatte ich nur erwidert, mehr nicht.

In diesem Restaurant, in dem Midoriko einen Teigkloß mit immer mehr Sojasoße übergießt, wird von einem anderen Restaurant erzählt.

„… Ende Mai gab’s mitten in der Nacht einen Unfall. Direkt vorm Horyu, du weißt schon, dieses chinesische Restaurant, wo wir früher öfter waren, genau da ist Kyu-chan gestorben. …“

Natsuko und Midoriko warten am Abend auf Makiko.

Aber Makiko kam nicht. … „Du“, sagte ich zu Midoriko, „was hältst du davon, wenn wir wieder zum Chinesen gehen, wenn Deine Mutter kommt – sie kommt bestimmt bald -, da waren wir zwar gestern schon, aber wir können ja etwas anderes essen“ …