Pazin, 2017

Sie steht wohl wieder, die Statue von Bruce Lee in Mostar. Aber auch andere, nicht so berühmte Chinesinnen und Chinesen wie Bruce Lee, finden in Ugresics Essays Erwähnung.

Das Internet ist ein Feld, auf dem – wie in einem Albtraum Mao Tsetungs – wirklich tausend Blumen blühen.

Gobelinstickerei als Hobby soll auch in China beliebt sein.

Zorgvliet ist einer der der Amsterdamer Friedhöfe, der eher einem indianischen als einem europäischen Friedhof ähnelt, und zwar weniger wegen des Sandbodens als wegen der Gräber, die wie Beispiele von Schamanentum anmuten. … Auf einem anderen sah ich ein chinesisches Takeaway, frische Hühnerschlegel mit Reis in einer Plastikschachtel. Wer weiß, vielleicht hatten wir es da mit einer bezahlten Dienstleistung zu tun, vielleicht wird jeden Tag um die Mittagszeit frisches Essen ans Grab geliefert. … das Kreuz und der am Strauch daneben hängende indianische dream catcher, ein von einer Reise mitgebrachter, mit Silberfäden bestickter Damenpantoffel und ein buddhistisches Öllämpchen, ein Kunststoffbesteck aus dem Flugzeug und eine chinesische Holzrassel…

„Karaokekultur“ (Dezember 2009/2010)

Italien ist ein Land, in dem russische Kellner in italienischen Restaurants chinesische Gäste bedienen, sagte ein Russe, der frisch in Italien eingetroffen war.

„Ich bin eine Fremde“ (Januar 2008)

Und obwohl es auf den ersten Blick scheint, dass die Chinesen das Monopol auf elektronische Waren, die Türken und die Marokkaner auf Lebensmittel haben, handelt hier eigentlich jeder mit jedem.
Sie alle – blasse Niederländer, dunkelhäutige Marokkaner, farbige Surinamis, gelbe Chinesen – tragen die gleichen Kleider, deren Preis zehn Euro nicht übersteigt, alle haben denselben Geschmack, alle kaufen die gleichen billigen Sofas, die gleichen Spielsachen aus Kunststoff für Ihre Kinder, die gleichen Fernsehgeräte, alle haben am Handgelenk die gleichen Armbanduhren.

„Einführung in die Sklavenhaltergesellschaft“ (Februar 2007)

Die Kroaten, offenbar müde geworden, immer wieder Denkmäler mit politischen Botschaften niederzureißen und neue zu errichten, haben neulich ein Denkmal für Bruce Lee enthüllt. Es wurde 2005 im Stadtpark Zrinjevac in Mostar aufgestellt, wo Bruce Lee schlicht den Kampf um Gerechtigkeit ohne komplizierte ethnische Konnotationen symbolisiert. Doch am Tag darauf wurde es bereits von unbekannten Vandalen demoliert.
Wenn Bruce Lee in Mostar und Rocky Balboa in Žitište ein Denkmal bekommen haben, warum sollen wir in Čačak einem authentischen Sexsymbol der achtziger Jahre nicht die Ehre erweisen?

„Ein Denkmal dem polnischen Wasserinstallateur“ (November 2007)

Eine junge Chinesin in der Schlange kreischt etwas Unverständliches in ihr Handy. Die Stimmen junger Chinesinnen und die junger Marokkaner sind ähnlich durchdringend, denke ich. Dann schiebe ich verschämt diesen Gedanken beiseite.

„Mein chauvinistisches Ohr, mein menschenfeindliches Auge“ (November 2008)

Ich ertrage die Weisheiten nicht einmal auf den Zetteln bei den chinesischen Glückskeksen.

„Langes Leben“ (April 2009)

Untersuchungen von Amnesty International ergaben, dass in China jährlich etwa 6000 zum Tode Verurteilte hingerichtet werden. Neunzig Prozent der transplantierten Nieren kommen von exekutierten Sträflingen. Reiche Ausländer bezahlen zwischen zehn- und vierzigtausend Dollar für eine Niere. Die Organernte endet natürlich nicht bei den Nieren. In chinesischen Gefängnissen werden die Hinrichtungen sehr vorsichtig vorgenommen. Erfreut sich der zum Tode Verurteilte keiner guten Gesundheit, schießt man ihm in die Brust, wenn sich seine Organe zum Ausschlachten eignen, bekommt er einen Kopfschuss.

„Der Trost der letzten Ressource“ (Januar 2010)

Sollte sich in unserer Welt ohne Grenzen diese lustige Teleportation von Symbolen fortsetzen, könnte es sein, dass man eines Tages die New Yorker Zwillingstürme in Shanghai findet …

„Serbisches Hollywood“ (Dezember 2008)

Dubravka Ugresic, Karaokekultur, 2010, Übersetzung von Mirjana und Klaus Wittmann, 2012, Bloomsbury