Chinesisches in 
Flauberts Papagei 
von Julian Barnes

Bordeaux, ca. 1989

In diesem von Rainer H. damals geschenkten Buch finde ich beim Wiederlesen so manche übernommene Idee. Man könnte genauso gut Chinese sein.

Heute tragen die braunen Handgelenke der afrikanischen Boule-Spieler ein Mao-Abziehbild.

Man vergleiche den Fall seines alter ego Louis Bouilhet, der von China träumte und nie bis England kam.

Wir wissen, dass die Weltausstellung von 1851 seine unerwartete Zustimmung gewann – „eine sehr schöne Sache, obwohl alle Welt sie bewundert“ -, aber seine Aufzeichnungen über diesen ersten Besuch belaufen sich auf bloß sieben Seiten: zwei über das British Museum plus fünf über die chinesischen und indischen Abteilungen im Crystal Palace.

Sein bevorzugtes Regierungsmodell war ein chinesisches – das des Mandarinats; obwohl er ohne weiteres zugab, dass die Chancen, es in Frankreich einzuführen, äußerst gering seien. Sie halten das Mandarinat für einen Rückschritt?

„Ich bin im selben Maß Chinese wie Franzose“, erklärte Flaubert. Das heißt, auch nicht mehr Chinese: wäre er in Peking geboren worden, hätte er die dortigen Patrioten zweifellos auch enttäuscht.

Er versucht, wie gesagt, im selben Maß Chinese wie Franzose zu sein.

Verbrachte mit dem Schreiben von L’Idiot de la famille zehn Jahre, während deren er maoistische Traktate hätte schreiben können.

Flaubert erschien 1952 auf einer französischen Briefmarke (Wert 8 F + 2 F). Es ist ein nichtssagendes Portrait „nach E. Giraud“, auf dem der Romancier – dessen Züge leicht chinesisch anmuten – mit einem untypisch modernen Hemdkragen und Schlips ausstaffiert worden ist.

Julian Barnes, Flauberts Papagei, 1984
Übersetzung von Michael Walter, Kiepenheuer und Witsch