Chinesisches in 
Fischtal 
von Philipp Tingler

Düsseldorf, 2018

„Davon wird man auch nicht interessanter.“, sagt Gustavs Großmutter gerne über die Ausflüge, Umwege und Abwege im Leben. Und damit ist zugleich die ganze abgründige Bürgerlichkeit beschrieben, die das Leben der Hauptfigur bestimmt. Da hilft es auch nicht, dass Hausangestellte und andere Nebenfiguren absurde Nachnamen haben: Busenrost, Pechnest, Weichbrodt, Beutelwitz oder Breitsprecher. Die Erwähnungen von Chinesischem sprechen von Bildungsanspruch gepaart mit Abfälligkeit.

Ordentlich gereiht standen Schlangen aus steinalten Konserven in den Regalen im Keller, in staubigen Kohorten, wie chinesische Tonkrieger.

… zum Beispiel hat seine Mutter ihn in West-Berlin aus dem herrschaftsfreien Kinderladen genommen, nachdem ihr zu Ohren gekommen ist, dass dort als Disziplinierungsmaßnahme die chinesische Tröpfchenfolter angewendet wird …

Philipp Tingler, Fischtal, 2007, Kein & Aber