China in Büchern

Katharina Adler: Ida

Im Jahr 1941 kommt Ida Bauer auf der Flucht vor den Nationalsozialisten in New York an. Sie wird von Martin Magner, einem Freund ihres Sohnes am Hafen abgeholt.

Sie hakte sich unter und ließ sich von Magner aus dem Hafengelände führen. Noch eine Lockerungszigarette, während sie gingen. Magner sah auf die Uhr.
«Wir haben drei Stunden. Wollen Sie vielleicht etwas zu sich nehmen?»
«Was schlagen Sie vor?»
«Hier in der Nähe gibt es einen chinesischen Imbiss.»
«Chinesisch!» Ida lachte ungläubig. «Solange es keine Linsen sind. Die habe ich in Marokko zur Genüge gehabt.»

Ida nickte zufrieden. Nicht schlecht, dieses chinesische Maultascherl, wirklich, und die Brühe war auch schön kräftig.

Wenn man sich zu erinnern versucht an dieses New York, aber da nichts ist außer dem feinen Lächeln eines Martin Magner und dem Geschmack von chinesischem Essen. Wenn dieses fremde Essen eigentlich eine gute Stärkung war, aber der Körper nicht nur schwankt, sondern bis hinter die Augen vibriert, und keine Zigarette etwas dagegen ausrichten kann und noch eine nicht und eine weitere auch nicht.

Katharina Adler: Ida (2018), Rowohlt
Bild: München 2024