Künstliche Blumen in Qingdao, 2013

Ein Jahrhundert in Georgien, Russland, London und Berlin. Die politischen Ereignisse in China haben es mitgeprägt, und chinesische Gegenstände haben es mit dekoriert.

Es wurden Kurreisen unternommen, festliche Diners veranstaltet, Bälle besucht, Stoffe aus Frankreich bestellt, Hüte genäht, zwei neue Hausmädchen eingestellt, Schmuck und etliche chinesische Porzellanvasen gekauft, die Lara besonders mochte.

Die Kommunisten müssen auch beim Lernen ein Vorbild sein: Sie sollen zu jeder Zeit sowohl die Lehrer der Massen als auch ihre Schüler sein. Mao

Man klaute Gips, Farbfernseher der Marke Rubin, die Schnittmuster aus der Burda, Zement, Analgin, Thermoskannen aus China mit roten Blumen darauf, Wolle Kondensmilch, Brillengläser, Schulhefte für drei Kopeken, Körperpuder, beige Polyestersocken, Pelze, Schneeanzüge (auch in Regionen, in denen es nicht schneite), Kameraobjektive, grüne Plastikschüsseln, Einweggläser, Schallplatten (egal von wem), Zigaretten der Marke Kosmos oder Astra oder Rasierwasser der Marke Hygiene.

Die weißen Strümpfe aus China, die Gobelins mit Jagdszenen an den Wänden, die Mischka im Norden-Schokoladenbonbons, die Estragonlimonade bei Lagizes.

… wir durften nach Nordkorea, China, nach Kuba, nach Guinea, nach Süd-Jemen, nach Somalia, in den Kongo, nach Madagaskar, Kambodscha, Laos, Äthiopien, Angola, Mosambik, Benin, Grenada, Nicaragua, Simbabwe.

Die Macht erwächst aus dem Lauf eines Gewehrs. Mao

Home wurde 1976, fünf Jahre nach Replacement, veröffentlicht, im gleichen Jahr, als ganz Vietnam sozialistische Republik wurde und Saigon aufhörte zu exisitieren und Ho-Chi-Minh-Stadt zu leben begann, als Mao Zedong starb und China ein verheerendes Erdbeben heimsuchte, als freue sich die Erde hämisch über den Tod des großen Diktators …

Nino Haratischwili, Das achte Leben (Für Brilka), 2014
Frankfurter Verlagsanstalt